Interview mit unserem Partner Manu von der ManuTeeFaktur

in Magazin by Malena

Wir waren für Euch in der ManuTeeFaktur in Berlin Kreuzberg und haben bei einer Tasse Rooibos-Tee mit Manufakturgründer Manu- immer in Begleitung von Hund Anko – geplaudert über seinen Alltag, das Reisen und natürlich Tee!

Manu, wie bist Du aufgewachsen und welche Rolle hat Tee schon in Deiner Kindheit gespielt?

Ich bin groß geworden mit Tee und habe auch schon von Kindesbeinen an Schwarztee getrunken. Das war ganz normal. Und da das sowohl in der Teenation China und auch in Indien normal ist, kann das ja so ungesund auch nicht sein. (Lacht) Ich bin in Bayern aufgewachsen, habe da aber eigentlich nie gelebt. Mit 12 bin ich aufs Internat gegangen, dann zur Schule in Südfrankreich und Australien. Ich hab in Hamburg und Italien studiert, mein Diplom in Tokyo gemacht. Seit ich 18 bin, bin ich 6 Monate im Jahr gereist, zwischendurch war ich aber immer auch mal in Berlin.

Welche Länder hast du auf der Suche nach Tee schon bereist und welche Erfahrungen haben Dich besonders geprägt?

Also, das hört sich natürlich immer schön an, dass ich wegen des Tees gereist bin, das ist eine kleine „augenzwinkernde Lüge“. Ich bin eigentlich vom ersten Tag meines Lebens an gereist. Dadurch, dass mein Vater Inder war und meine Mutter Deutsche, war unser Haus fast immer schon eine Reise, wir hatten immer schon Leute von sonst wo da…Dann bin ich sehr früh auf eine internationale Schule gekommen und hatte Schulfreunde, die aus Hong Kong, Südamerika, von überall her kamen. Reisen war ganz normal und überall, wo ich hinkam, war es auch normal, dass ich Tee trinke. Es ist aber nicht so, dass ich ein Tee Nerd bin, das Essen und die Musik interessieren mich auch. Gerade in den Nilgiri Mountains in Südindien – einer großen Teeregion – hab ich mal Freunde von mir besucht auf ihren Teeplantagen zwei, drei Wochen lang und hab das alles miterlebt. Das fand ich toll. In Nepal, Sikkim, Bhutan war ich. Ich hab viel ausprobiert, bis hin zum grausigem YakButterTee. Das ist schon was Besonderes, obwohl der echt gewöhnungsbedürftig ist. Der Zitronengrastee, den ich habe z. B. ist ein Standardgetränk, das Du in Fernostasien hast. Wenn es richtig heiß ist, trinkst du dann nicht nur ein Wasser, sondern du willst was richtig Frisches… Zu jedem Tee gibt’s ne tolle Geschichte.

Und wie sieht dann so eine Teezeremonie aus – in einem Land Deiner Wahl?

Die schönsten „Teezeremonien“ waren für mich, wenn ich z.B. in Nepal den ganzen Tag unterwegs war und dann in ein Dorf kam und mir jemand einen Tee angeboten hat. Das war eigentlich die schönste Zeremonie, die ja eigentlich gar keine war. Man sitzt einfach zusammen und trinkt, kann sich vielleicht gar nicht richtig verständigen. Das find ich wirklich gut. Das Ganze drum herum, diese Kultgeschichten, das bin ich nicht. Finde ich aufgesetzt und interessiert mich auch nicht. Das Schöne am Tee ist, dass man zusammen sitzt. Tee hat auch was mit Entschleunigung zu tun. Es ist nicht, dass man den Tee mitnimmt, runterkippt und weitergeht. Es ist eine Geste, damit bin ich groß geworden. Irgendwo ankommen, das mag ich am Tee. Aber nicht das religiös Aufgeladene, Esoterische, das ist nicht Meins.

Was für Länder möchtest Du noch bereisen?

(Lacht) Alle. Und die, die ich schon gesehen hab, möchte ich nochmal sehen. Als nächstes Südafrika glaube ich, den Rooibos richtig kennenlernen, der ja eigentlich in dem Sinne gar kein Tee ist. Und Südamerika, da war ich noch nicht.

ManuTeeFaktur_manufacture_Foto-Marco_Baass017Wie schaffst Du das alles, wie sieht dein Alltag aus?

Ganz früh aufstehen! Um 6 geht der Wecker, Hund raus, frühstücken, dann bin ich ganz früh hier. Ich mag die Morgenstunden, da ist noch Ruhe. Für die Eistees habe ich früher in der Küche fast täglich nur produziert. Von morgens bis abends: Kochen, Abfüllen, Etikette drucken, drauf kleben, ausfahren, Flaschen zurückholen, sauber machen, das war mein Tag. Jetzt ist es so, dass ich mich im Sommer im Umland eingemietet habe, sodass ich da dann einmal die Woche vorkochen kann. Die Trockenmischung ist neu. Der Indian Masala Chai zum Beispiel. Masala sind Gewürze, Chai heißt Tee. Die ganzen Gewürze bekomme ich direkt geliefert. Dann röstete ich sie von Hand, mörsre und mische, fülle sie ab, etikettiere. Ziemlich aufwendig… Den Ingwer trockne ich selber. So ist er scharf und hat volles Aroma. Alle Vitamine und Enzyme sind noch enthalten. Ich versuche wirklich gesunde Produkte zu verwenden.

Was heißt das für Dich?

Ich hab nur Bioprodukte. Den Kombucha zum Beispiel. Das sind lebende Mikroben, die ernähren sich nur von Tee und Zucker, 10-14 Tage müssen sie sich entwickeln und sind dann lebendig. Vergleichbar mit dem Joghurt. Das ist mit das Gesündeste, was man überhaupt zu sich nehmen kann. Minze habe ich frisch nicht gefunden in der Qualität, die ich wollte. Jetzt baut sie die Domäne Dahlem für mich an. Das Zitronengras habe ich im Gewächshaus anbauen lassen. Das war das erste biozertifizierte Europas.

Also arbeitest Du nach Möglichkeit auch mit lokalen Betrieben zusammen?

Ja, möglichst. Bei mir steht ja auch drauf „Think Global, Brew Local“. Was geht, mach ich lokal. Gerade auch den Masala: Ich würde wirklich sagen, das ist der Beste Europas (lacht). Der ist eben so gut, weil ich ihn hier frisch mache. Das geht ja auch viel schneller. Oder die Minze – die schneid ich am Freitag und am Montag steht dann in den Läden der Tee im Regal.

Was macht für dich Berlin aus? Wieso lebst du gerne hier?

Leb ich hier gerne? (Lacht)

Oder auch nicht?

Ich lebte sehr gerne in Berlin, weil es wie ein Spielplatz für Erwachsene war als ich hierher zog Ende der 90er. Es gab einen großen Freiraum, die Berliner Schnauze, die interessanten Charaktere, die man getroffen hat – so ein bisschen Wild West Stimmung überall. Und jetzt lebe ich gerne in Berlin, weil es in den letzten Jahren einen ganz neuen Schwung bekommen hat durch die Internationalisierung, das finde ich spannend. Auch dass man Leute hat aus New York, Paris oder auch aus Indien. Dass es zum ersten Mal eine internationale, moderne Metropole gibt in Deutschland. Jetzt ist auch ein guter Zeitpunkt für meinen Tee hier. Meine Eistees zum Beispiel sind ja auch vegan und früher war ich damit ein Spinner, aber jetzt ist es schon Standard. Die Leute sehen, das hat Qualität und Geschichte und ich muss nicht erst große Überzeugungsarbeit leisten.

Und exportierst Du auch schon?

Ich hab letztens ein paar Gläser in die Schweiz geschickt, ein paar nach Frankreich…ein ganz kleiner Export (lacht). Aber ab 2015 darf ich Bio Produkte schon mal selbst importieren, das will ich jetzt auch machen, auch spezielle Teegärten suchen – das ist meine Wunschaufgabe für dieses Jahr. Ich hab ja auch vor 2 ½ Jahren erst angefangen, das offiziell zu machen.

Dafür bist Du ja schon ganz schön gut vertreten!

Ja, es ging sehr sehr schnell. Aber ich hab ja auch einen Arbeitstag von morgens um 6 bis abends um 1 und das bestärkt das ja auch. In Zeitschriften bin ich, in Reiseführern – das freut mich. Da mach ich wohl was richtig (lacht)

Und wie sieht´s aus mit einem kleinen Café…?

Hätte ich gerne! Aber eins nach dem anderen. Finanziell ist das noch nicht drin. Das bin ich aber am vorbereiten. So ein kleines Café, so wie der Eingang hier, das wär so mein Lieblingsding…

Dann haben wir natürlich noch eine ganz essentielle Frage: Welche Tasse Tee würdest du deinem Date servieren oder welchen würdest Du empfehlen?

(Lacht) Rotwein?! Wie gesagt, ich bin da kein Gesundheitsfanatiker. Bei Dates wär ich da eher mit einem Wein dabei. Hm, welchen Tee…Einen Masala – wenn man mal verfroren nach Hause kommt. Oder sonst auch ein klarer Darjeeling. Das ist wirklich situationsabhängig. Und ansonsten natürlich immer ihren Lieblingstee!

Und was ist Dein Lieblingstee und trinkst du überhaupt Kaffee?

Ich bin von Hause aus totaler Schwarzteetrinker. Da trink ich morgens immer erst mal nen Liter. Das ist wirklich das Erste, was ich mache. Kaffee trinke ich ein bisschen, nach dem Essen vielleicht mal einen Espresso, muss aber auch ein Guter sein!

Manu, vielen Dank für das Interview!

von Malena und Nadja

ManuTeeFaktur-001 from Manu Kumar on Vimeo.

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