Auf ein Wort mit: Ponyhütchen-Gründerin Hendrike

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Hendrike, 38 Jahre alt, ist studierte Juristin und lacht viel. Doch die sympathische Mutter mit Kurzhaarschnitt und tätowiertem Arm ist noch viel mehr: Vor zehn Jahren zog die Berlinerin in die Schweiz und begann Seife herzustellen. Das es nicht bei Seife geblieben ist, konntest du an der Deocreme in unserer MärzBox sehen. Wir haben die Gründerin (rechts im Bild) und Lucie (links), die Store-Managerin in ihrem Laden im Prenzlauer Berg getroffen und uns mit ihnen über Berlin, den Alltag als Unternehmerin und Naturkosmetik unterhalten.

Ponyhütchen gibt es nun schon seit fast zehn Jahren. Wie bist du auf die Idee gekommen Naturkosmetik herzustellen?

Hendrike: Ich habe schon immer Naturkosmetik verwendet, eigentlich schon seit meinen Tennie-Jahren. Und das alles war rein optisch ein bisschen fad und schnarchig. Inzwischen ist das ja wesentlich besser geworden. Wenn man heute in die Drogerie geht findet man ja auch coole Naturkosmetik, aber vor 10 Jahren sah das eher langweilig aus. Kosmetik hatte damals für mich nichts mit Lust zu tun. Kein lustvoller Konsum – sondern ein ethisch korrekter, spaßbefreiter Konsum. Die ganzen Verpackungen haben keinen Spaß gemacht. Der Morgen im Badezimmer hat schon die Laune verdorben. Außerdem war ich mit vielen Texturen nicht hundertprozentig zufrieden. Irgendwann habe ich dann begonnen mich mit Seifenherstellung zu beschäftigen und damit hat eigentlich alles begonnen.

Warum Ponyhütchen? Wie bist du auf den Namen gekommen?

Ich bin ja gebürtige Berlinerin – also im Krankenhaus Neukölln geboren – was mich ja quasi schon zu Berliner Adel macht. Und als ich damals nach Markennamen gesucht habe, wollte ich, dass es irgendwie niedlich klingt,  einen hohen Wiedererkennungswert und mit Berlin zu tun hat. Außerdem bin ich ja großer Erich Kästner-Fan, deshalb heißt mein Sohn auch Emil. Ponyhütchen ist die Cousine von Emil aus dem Buch „Emil und die Detektive“. Die fährt da mit dem Fahrrad durch Berlin und hat die Jungs ganz schwer im Griff – die Heldin meiner Kindheit. So ein cooles Mädel halt. So bin ich auf den Namen Ponyhütchen gekommen. Und das hat sich auch bewährt. Ponyhütchen hat auf jeden Fall Wiedererkennungswert und ist mittlerweile als Marke etabliert.

Deine erste Schritte in der Naturkosmetik war die Seifenherstellung. Was stellst du mittlerweile alles her?

Hendrike: Mittlerweile haben wir 150 Produkte, also auf alle Duftrichtungen verteilt. Unser Bestseller sind natürlich die Deocremes, aber wir haben auch Duschprodukte, Gesichtspflege, feste Parfüms, Lipbutter, jetzt wieder Gesichtsseifen und Körperpflege-Produkte. 

Was hat deiner Meinung nach im Kosmetiksektor gefehlt? Wo ist eure „Nische“? Was unterscheidet deine Produkte von anderen im Naturkosmetikbereich?

Hendrike: Wir sind cool. Wir sind Ponys. Wir versuchen Natur ohne Kompromisse zu machen. Auf der einen Seite soll es so natürlich wie möglich sein. Auf der anderen Seite bin ich keine große Freundin von Tristheit. Ich möchte das unsere Produkte Spaß bringen. Daher ist es mein Anspruch, dass unsere Produkte kompromisslos natürlich sind, wirken, toll aussehen und gut riechen. Naturkosmetik – aber mit Spaß und Farbe. Ich möchte, dass die Leute sagen: „Ich nehme dieses Produkt, weil ich das toll finde und es mich überzeugt.“ Und dann ist Naturkosmetik ein Faktor von vielen. Aber das sollte eben nicht das Entscheidende sein. Ich möchte einfach keine Kompromisse eingehen und auf Dinge verzichten. Unsere Produkte sollen einfach in ihrer Gesamtheit überzeugen können. Wir sagen nicht: „Kauft unsere Produkte, weil es Naturkosmetik ist.“ Wir sagen: „Kauft unsere Produkte, weil sie geil sind!“ Naja, und weil sie so toll riechen.

Eine Unternehmensgründung ist nie leicht. Was waren die größten Herausforderungen denen du dich stellen musstest?

Hendrike: Zahllose. Alles, einfach alles. Eigentlich ist eine Gründung eine permanente Herausforderung, denn es läuft nie so, wie es eigentlich laufen sollte. Es gehen einfach immer wieder Dinge unerwartet schief. Der Laden hier war auf jeden Fall eine große Herausforderung. Doch auch die haben wir gemeistert und können jetzt auf fast eineinhalb Jahre Ponyhütchen-Store zurückblicken. Aber ich würde sagen, die letzte große Herausforderung war, die Logistik hier nach Berlin zu bringen. Und jetzt haben wir in Oberschöneweide 200m2 Büro- und Lagerfläche, Logistik und Versand.

Lucie: Die größte Herausforderung ist es sinnvoll zu wachsen und Verantwortung zu übernehmen für Alles – vor allem für Menschen. Also wenn da Mitarbeiter dazukommen, dann ist das ein bisschen wie Kinder kriegen, da es nicht mehr nur um einen selbst geht. Ich habe ja keine Kinder, Hendrike hat Kinder, aber es kommt dem gleich.

Hendrike: Man muss sich fragen, wohin man wächst und wir wachsen immer noch organisch, mit ziemlich viel Wumms dahinter. Das bedeutet, dass man sich auch immer wieder aufs Neue finden muss. Auch wenn neue Leute ins Team kommen. Aber einfach den Laden am Laufen halten – jeden Tag aufs Neue – das ist schon eine Herausforderung.

Wie viele Mitarbeiter seid ihr denn mittlerweile insgesamt?

Hendrike: In Bad Zurzach in der Schweiz sind wir zur viert und hier in Berlin sind wir zu sechst, also insgesamt haben wir zehn Mitarbeiter.

Und du hast ganz alleine angefangen? Skizziere doch bitte mal den Beginn von Ponyhütchen.

Hendrike: Ganz am Anfang stand ich Seife kochend in meiner Küche. Dann wurde aus der Küche der Hobbykeller, aus dem Hobbykeller eine erste kleine Werkstatt, dann wurde die Werkstatt etwas größer und dann richtig groß. Anschließend kam der Laden und die Auslagerung der Logistik nach Oberschöneweide. Das wichtigste für mich war es einen Schritt nach dem anderen zu machen.

Lucie: Wobei man sagen muss, dass zwischen all diesen Ereignissen eine große Zeitspanne liegt. Du hast 2009 angefangen, dass heißt wir feiern nächstes Jahr zehnjähriges Jubiläum. Der Bärenanteil, der auf Hendrikes Konto geht, ist es einfach diese Zeit durchzuhalten und die Geduld zu haben.

Hendrike: Ich habe das immer neben meinem eigentlichen Job und zwei Kindern gemacht. Ponyhütchen hat als Hobby angefangen und sich dann eben weiterentwickelt, aber ich würde sagen ein richtiges Unternehmen ist es jetzt seit 2016. Da habe ich gesagt: „Ich mache jetzt nur noch das“. Und das sind jetzt auch schon mehr als zwei Jahre. Die Zeit davor war eben einfach irgendwie Aufbauphase.

Was macht dir denn meisten Spaß? Stehst du am liebsten in der Produktentwicklung und tüfftelst an neuen Rezepturen oder …?

Hendrike:… Ja, Produkte entwickeln, das ist so wirklich meins. Ich bin keine besonders gute Verkäuferin, verhandle aber trotzdem ganz gerne. Liegt mir als Juristin eben auch ganz gut. Aber wenn es nach mir gehen würde, würde ich am liebsten den ganzen Tag alleine in meiner Werkstatt stehen und an neuen Produkten feilen. Da kann ich mich verwirklichen und einfach wahnsinnig viel ausprobieren. Das ist wirklich das, was mir am meisten Spaß macht – die Lust am Experimentieren, neue Texturen zu entwickeln. Auszuprobieren, wie verschiedene Stoffe zusammen wirken, das ist toll! „Oh, da haben wir einen neuen naturkosmetischen Wirkstoff! Was kann man denn damit machen.“ Da bin ich wie ein kleines Kind mit einem großen Chemiebaukasten. „Oh, jetzt wird’s blau! Uhh, es raucht!“

Woher kommt die Inspiration für die Produkte? Ist das wirklich „Trial and Error“, oder wie kann man sich das vorstellen?

Hendrike: Für mich ist das so ein bisschen wie beim Kochen. Du hast ja meistens eine Idee im Kopf und Lust auf ein bestimmtes Gericht. Du hast eine bestimmte Vorstellung davon und weißt wie es schmecken wird – und es wird gut schmecken. Und so ähnlich ist es eben auch mit Produkten die ich entwickeln möchte. Der Ausgangspunkt ist eigentlich immer ein Bedürfnis von meiner Seite und die Lust am Experimentieren. Wir bekommen natürlich auch unheimlich viel Input von unseren Kunden. So haben die Kunden beispielsweise dafür gesorgt, dass wir jetzt feste Parfüms herstellen. Da kam einfach so viel positives Feedback von unserer Community: „Das war so ein toller Duft – den wollen wir auch als Parfüm haben“. Ich hatte allerdings meine Schwierigkeiten mit flüssigen Parfüms und Zerstäubern und habe dann eben gesagt: „Okay, wir können feste Parfüms machen.“ Und dann haben wir einen Testlauf gestartet. Das Ganze ist so gut angekommen, dass wir die jetzt auch fest im Sortiment haben. Wichtig für mich ist der Input von außen. Mir macht es Spaß auch auf die Wünsche der Kunden einzugehen und sowas eben auch umzusetzen und möglich zu machen. Teilweise entstehen Produkte aber auch aus meinen persönlichen Bedürfnissen, wie zum Beispiel unsere Bodysprays. Da war dann der Hintergedanke, dass ich mich im Sommer nicht mit klebrigen Cremes eincremen wollte. Ich wollte etwas zum Aufsprühen haben und so ist dann das Bodyspray entstanden – was kühlt, pflegt und ich muss dann nicht bei 30°C im Schatten an mir rumschmieren.

Was ist denn dein persönliches Lieblingsprodukt? Hast du da einen Favoriten oder ist das die ganze Palette mittlerweile?

Hendrike: Nein, aber all-time-favourite ist natürlich die Deocreme. Was ich aber auch sehr gerne mag ist unser Gesichtsöl. Das finde ich auch ganz, ganz toll. Das ist mit Hagebuttenkernöl und Squala und das wird auch gerne gekauft.

Deine Produktion liegt nahe der Schweizer Grenze, der Store hier in Berlin. Welche Beziehung hast du zu diesen beiden Orten?

Hendrike: Also Schweiz ist halt Wahlheimat und Berlin ist Heimat. Ich habe gearbeitet und hatte dann irgendwann keinen Bock mehr. Da war ich in der Schweiz und da hat es mir ziemlich gut gefallen. Ich schätze die Schweiz und auch die Schweizer, aber Bad Zurzach und Berlin stehen bei mir gleichberechtigt auf derselben Stufe. Und ich muss sagen in der Schweiz lebt es sich auch sehr angenehm und schön. Und da wohne ich jetzt an der deutschen Grenze im Hochrheintal. Der fließt 30 Meter vor meiner Haustür und ist noch so ein richtiger Fluss mit Bibern, Fledermäusen und Eisvögeln. Hier kann ich einfach ein bisschen mehr zu Ruhe kommen. Auf der anderen Seite bin ich auch immer froh in Berlin zu seien und sauge dann so richtig das quirlige Stadtleben in mir auf.

Lucie: Hendrike kriegt den Ausgleich, den wir hier nicht kriegen. Ich bin da auch schon fast ein bisschen neidisch. Ich erwisch mich da auch selber, wo ich mir dann denke: „Och, jetzt ein bisschen Natur.“

Für uns bei Trendraider ist Nachhaltigkeit ein großes Thema. Woher beziehst du die Rohstoffe, die du für deine Produkte verwendest? Ist die Herkunft da für dich ein Thema?

Hendrike: Ja, definitiv. Wir beziehen die Rohstoffe für die Herstellung von einem sehr etablierten Großhändler im Allgäu, der sich auf den Handel mit Bio-Rohstoffen für Kosmetik spezialisiert hat. Ansonsten reden wir  nicht viel darüber, weil das für uns einfach schon so dazugehört. Vielleicht sollten wir auch mehr darüber reden. Was wir zum Beispiel machen, ist, dass wir die Kartonagen wiederverwenden, dass wir das Füllmaterial sammeln und wiederverwenden. Die neuen Tiegel können wir auch einfach reinigen und wiederverwenden. Das ist eine Kombination aus Allem. Nachhaltigkeit ist ein unglaublich komplexes Thema und es gibt unendlich viele Faktoren, die man da mit einrechnen kann. Ich sage immer, dass es auf komplexe Probleme keine einfachen Antworten gibt. Zum Beispiel ist es gerade sehr en vouge zu sagen: „Plastik ist böse und Glas ist halt gut.“ Aber da muss ja auch differenziert werden: Wird das Plastik recycelt? Wie oft wird das Glas benutzt? Solche Fragen sind pauschal schwierig zu beantworten. Für mich ist da wichtig, dass man das große Ganze nicht aus den Augen verliert.

Ich habe das Gefühl, dass Nachhaltigkeit für euch selbstverständlich ist und nicht an die große Glocke gehängt wird. Das finde ich sehr sympathisch, da gerade viele Unternehmen auch enorm damit werben.

Hendrike: Ja, da haben wir gestern auch drüber gesprochen und sind zu dem Schluss gekommen, dass wir da vielleicht auch mehr drüber reden sollten. Aber ich glaube eben, dass wenn du davon wirklich überzeugt bist, dann musst du das gar nicht an die große Glocke hängen. Wir achten darauf, weil es uns selber wichtig ist, nicht weil wir damit vor unseren Kunden besser dastehen wollen. Und ich denke das wird so auch geschätzt.

Und abschließend: Was ist das Schönste an deiner Arbeit? Gibt es Momente, die dir besonders in Erinnerung bleiben werden?

Hendrike: Das jeden Tag etwas Anderes los ist. Klar, du hast grobe Pläne, aber eigentlich hält jeder Tag Überraschungen für dich bereit. Eine der schönsten Sachen ist auch das positive Feedback von den Kunden. Wenn ich eine E-Mail bekomme und da steht dann drin wie toll das ist, was wir hier machen und das die Leute eine solche Freude an den Produkten haben. Wenn man das dann direkt gesagt bekommt, dann sind das für mich schon echte Gänsehaut-Momente. Ich mach ja meistens mein Ding und werkle da so vor mich hin und dann mal so ein Feedback zu bekommen, ist für mich auch eine wahnsinnige Motivation so weiterzumachen.  Gerade weil man selber ja meistens nur die Dinge sieht, die nicht klappen.

Fotos: © Joseph: trendraider.de

 

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