Mikroplastik: Kleine Partikel, große Gefahr

IsabellBlog11 Kommentare

Plastik in der Umwelt

Seit Beginn des Plastikzeitalters ist der praktische Kunststoff nicht mehr so schnell aus unserem Alltag wegzudenken. Doch nicht allein Plastikteile und die damit einhergehende Umweltverschmutzung sind ein Problem. Kaum für das menschliche Auge sichtbar schleicht sich Mikroplastik in unseren Alltag und gefährdet langfristig die Umwelt, die Tiere und den Menschen. 

Was genau ist eigentlich Mikroplastik?

Als Mikroplastik werden sowohl feste, als auch lösliche Kunststoffe mit einer Größe von weniger als fünf Millimetern bezeichnet. Die Verwendungsmöglichkeiten sind unglaublich vielfältig und genauso erschreckend: Es befinden sich heutzutage zahlreiche Partikel in nahezu allen Gewässern und in weiten Teilen unserer Umwelt. Inzwischen sind auch die Lebewesen betroffen. Vor allem die Meeresbewohner verwechseln die kleinen Teilchen mit Plankton oder anderen Futterquellen und nehmen sie unbewusst auf. Wenn diese Fische und Krebse gefangen und für den Menschen zubereitet werden, gelangt das Mikroplastik auch in den menschlichen Körper. Chemische Inhaltsstoffe, wie Weichmacher, können schlimmstenfalls Krankheiten begünstigen und die Gesundheit nachhaltig schädigen.

Das Problem der kleinen Kunststoffe ist vielen Ländern bereits bekannt. Frankreich, Groß Britannien, die USA und Schweden haben zumindest für Kosmetika ein Mikroplastik-Verbot ausgesprochen. Sonst in vielen Sachen Vorreiter hält sich Deutschland hier eher im Hintergrund. Immerhin verpflichten sich viele Kosmetikhersteller bereits freiwillig dazu auf Reibkörper zu verzichten. Doch als Mittel zur Trübung oder als Füllstoff wird es weiterhin uneingeschränkt genutzt.

Primäres und sekundäres Mikroplastik

Die kleinen Teilchen werden in die zwei Kategorien primär und sekundär unterteilt. Das primäre Mikroplastik ist industriell hergestellt, kommt meist durch Umwege ins Abwasser und gelangt so ins Meer. Die größten Quellen sind der Stadtstaub, der Straßenverkehr und synthetische Textilien. Im Straßenverkehr werden täglich Unmengen an Kunststoffen durch den Reifenabrieb auf der Straße und den Fahrbahnmarkierungen freigesetzt und durch die Witterung großflächig verteilt. Insbesondere aus Fleece und anderen synthetischen Textilmaterialen lösen sich bei der normalen Maschinenwäsche zahlreiche Partikel aus der Kleidung und werden so ins Abwasser übertragen. Übrigens sind die unscheinbaren Kunststoffe hauptsächlich durch die Verwendung in Kosmetika bekannt.

Das sekundäre Mikroplastik beschreibt die zunächst für das Auge gut sichtbaren Plastikteile, die mit der Zeit in Kleinteile zerfallen. Inzwischen gelangen mehr als 13 Millionen Tonnen pro Jahr in die Weltmeere. Da ist es kaum verwunderlich, dass das Auswirkungen auf die Lebewesen hat.

Auswirkungen für Tier, Mensch und Umwelt

Der Mikroplastik-Kreislauf ist in vollem Gange. Auch wenn bis heute keine konkreten Aussagen über die Auswirkungen getroffen werden können, sind durch einige Studien bereits Auffälligkeiten dokumentiert. Unter anderem wurde bei Fisch- und anderen Meerestieren ein verringertes Bewegungs- und Wachstumsverhalten festgestellt. Auch eine geringere Fortpflanzungsrate, sowie eine erhöhte Sterberate könnten auf den Einfluss von Mikroplastik im Meer zurückzuführen sein. Sogar handelsübliches Meersalz enthält teilweise Spurenelemente. Inzwischen ist der Einfluss auch bei dem Menschen angekommen. Die langfristigen Folgen abzuschätzen ist schwierig. Fest steht, dass Plastik gefährliche Additive enthält, die u.a. in Weichmachern, UV-Stabilisatoren und Flammschutzmitteln zum Vorschein kommen. Zusätzlich binden die Partikel Schadstoffe an sich, die durch die Nahrungsaufnahme in den Margen-Darm-Trakt kommen und teilweise an den Körper abgegeben werden. Forscher sprechen bei diesem Phänomen auch teilweise vom „Trojanisches Pferd Effekt“.

Mikroplastik im Alltag

Die Verwendung von Plastikpartikeln ist inzwischen schon sehr stark verbreitet und versteckt sich, genau wie Palmöl, hinter verschiedenen Synonymen.

Bei folgenden Inhaltsstoffen solltest du aufpassen: Acrylates Copolymer, Acrylate Crosspolymer und Polyethylen (PE). Eine vollständige Liste inklusive Informationsmaterial findest du beim BUND. Die Zahnpasta-Hersteller in Deutschland sind übrigens schon zum Großteil mikroplastikfrei. Trotzdem raten wir dir dich eher für biologisch zertifizierte Naturkosmetik zu entscheiden. Außerdem solltest du über deinen Plastikkonsum nachdenken: Benutzt du Plastiktüten? Kaufst du eingeschweißtes Obst und Gemüse? Trennst du deinen Müll sorgfältig? Schon kleine Veränderungen bewirken, dass weniger schädliche Stoffe in die Umwelt gelangen. Weniger Plastik im Meer führt zu weniger Tieren, die Mikroplastik aufnehmen und das kommt wiederum dem Mensch zugute. Du hilfst indem du bei dir anfängst.

Was bringt die Zukunft?

Heute engagieren sich bereits zahlreiche Organisation für die Plastikreduktion. Damit ist der erste Schritt getan. Doch vor allem in Hinblick auf Mikroplastik stehen wir noch am Anfang. Plasticcontrol führt zahlreiche Kampagnen durch, um auf das Problem aufmerksam zu machen. Mit einer Kombination aus Aufklärung und Handlung holen sie immer mehr Menschen ins Boot.  Außerdem strebt das Team einige gesetzliche Regelungen an. Dadurch könnte das aktuelle Problem zumindest eingedämmt werden und so zumindest nicht verschlimmert werden. Plasticcontrol fordert u.a. das Verbot von Mikroplastik in Kosmetika und Körperpflegeprodukten in Deutschland, die Nutzung von innovativen Mikroplastikfiltern und eine Plastiksteuer. Alle Kleidungshersteller werden außerdem aufgerufen auf Fleece and kritische Polymere zu verzichten. Recycling, Mülltrennung und Plastikreduktion sind dafür die Grundlagen, die jeder Einzelne umsetzen kann.

Es ist erschreckend, wie groß die Auswirkungen von Mikroplastik bereits sind. Wie gehst du mit dem Thema um und was tust du, um deinen ökologischen Fußabdruck zu verbessern? 

Trends muss man teilen...

11 Kommentare bei “Mikroplastik: Kleine Partikel, große Gefahr”

  1. Hobbit
    Hobbit

    Am meisten ärgert mich an diesen und ähnlichen Themen, dass immer „der kleine Mann/Frau“ ermahnt wird, doch bitte besser und resourcenschonender mit der Umwelt umzugehen: „esst weniger Fleisch“, „kauft kein Plastik“, „spart Wasser und Strom“ usw und so fort.
    Und „die Großen“? Die machen munter weiter wie bisher, holzen ganze Wälder ab, quälen Natur und Umwelt … und wer soll’s ausbaden? Natürlich die einfachen Menschen.
    Ich bemühe mich auch, sehr umweltbewusst zu leben und möglichst wenig schädliche Stoffe zu begünstigen bzw. umweltfreundliche und nachhaltige Produkte zu benutzen. Doch leider habe ich immer mehr das Gefühl, dass das, was wir versuchen tagtäglich umzusetzen ein Tropfen auf den heissen Stein ist, dass es quasi ein Hauch von Nichts ist und somit unwirksam auf die globale Welt bezogen.
    Solange die großen Firmen und Konzerne machen können, was sie wollen und dafür weder bestraft werden noch zahlen müssen, solange wird sich gar nichts ändern, egal wie sehr wir uns bemühen.

    1. yaya

      Da bin ich ganz deiner Meinung! Jedoch braucht man nicht so weit nach oben zu „den Großen“ schauen, ein Blick in öffentliche Einrichtungen reicht da völlig…

  2. AR

    Auch wir besitzen Plastikschüsseln und sie werden weiterhin genutzt, aber nach und nach durch Porzellan- und Glasschalen ersetzt.

  3. Jessica Baird
    Jessica Baird

    Es ist ein sehr sehr wichtiges Thema und meine Familie und ich reduzieren schon seit längerem unseren „Plastik-Konsum“, wobei es wirklich nicht immer sehr leicht ist und auch wir immer mal wieder keine andere Möglichkeit haben als Produkte in Plastikverpackungen zu kaufen… aber wir bleiben dran :)

  4. Niniel

    Ich verfolge das Thema mit Interesse. In erster Linie sind Reportagen darüber im Fernsehen oder Berichte in Zeitungen/Zeitschriften die Bezugsquellen.

    Die Ausmaße und Folgen der ungebremsten Plastikproduktion sind erst Jahre später fühlbar. Und bis dahin geht es erst mal „munter“ weiter…😞

  5. Pat

    Ich versuche Plastik und Mikroplastik zu vermeiden sooft es geht. Manchmal (u.a. auch aus Kostengründen) lässt es sich aber nicht immer vermeiden.

  6. AR

    Das Kleingedruckte lesen, auch wenn das Zeit kostet. Vegane-Bio-Kosmetik benutzen, immer einen Umweltbeutel dabei haben, loses Obst und Gemüse einkaufen, Getränke in Pfandflaschen kaufen, keine „Kleinstverpackung“ bei Lebensmitteln kaufen. Möglichst im Bio-Shop einkaufen, da hier das ein oder andere Produkt bereits plastikfrei bzw. umweltverträglich (z. B. Tee ohne Klammer) hergestellt ist und man das „nebenbei“ kennenlernt. Wenn es die Zeit erlaubt, wird im Unverpackt-Laden eingekauft.

  7. yaya

    Nanopartikel sind auch nicht zu vergessen! Diese befinden sich u.A. in der Zahnpasta, in Sonnenschutzmittel oder Sportklamotten

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