Into the Woods: Auf Spurensuche in Patagonien, Chile

HasanBlog

Into the Woods

Was versteht man darunter ? Einen Waldspaziergang ? Eine Tischlerwerkstatt? Ein Abtauchen in die Wildnis, fern von dem Trubel des Alltags? Für mich ein bisschen von alldem: Wenn ich „Into The Woods“ höre, löst es bei mir Erinnerungen an meine wunderschöne Zeit im abgeschiedenen Patagonien aus. Die endlosen Wälder, gigantischen Bergketten und entlegenen Seen. Natur pur!

Into The Woods Chile Patagonia Man River smallNachdem ich von der trockenen Atacama Wüste im Norden Chiles bis in den grünen und kalten Süden getrampt war, fand ich einen kleinen Bauernhof, auf dem ich meinen Traum leben konnte: Einfach nur ich und die Natur, 3 Wochen, kein Internet, kein Telefon, keine Menschen und kein Kontakt zur Außenwelt. Ob Kanye West neuer amerikanischer Präsident wird, daraufhin die Welt untergeht, die Queen einen neuen Hut ausprobiert oder Gibraltar die Weltmeisterschaft gewinnt. Ich wollte es nicht wissen und mich von allem Ballast befreit sehen, der einem sonst so jeden Tag um die Ohren gehauen wird.
Der Bauernhof gehörte dem 25-jährigen Manuel, dessen Großvater das riesige Landstück einst, vor fast 100 Jahren, von der chilenischen Regierung geschenkt bekommen hatte. Manuel arbeitete unter der Woche als Entwicklungshelfer in der Stadt Palena, an der argentinischen Grenze. So hatte ich, eingekreist von einer riesigen Bergkette und mehreren Flüssen, endlich mein „eigenes“ Stück Land. Dazu 40 Kühe, ein Dutzend Schafe, drei Pferde und ca. 25 Hektar unberührter Wald, der sich den 4000 m hohen Berg hochschlängelte.
Into The Woods Chile Backpacker Patagonien Das kleine Feldhaus war aus Holz, gekocht und geheizt wurde mit Holz und sogar gegessen wurde aus handgemachten Holzlöffeln und -schalen. Ich hatte so viel Freiraum wie ich mir wünschte. Ich konnte jeden Morgen ausschlafen. Nackt die lieben Tiere beim Morgenspaziergang begrüßen. Oder laut zu Britney Spears kreischen. Es interessierte niemanden. Der nächste Hof war einen halbstündigen Fußmarsch entfernt und die Kühe schauten nur gelangweilt kauend drein.
Das Schönste war die Stille, die Ruhe und die Unberührtheit der Natur. Keine ausgetretenen Pfade, Wegweiser, Markierungen oder gar Müll. Man findet alte Pferdeschädel, menütellergrosse Kuhfladen, unberührte, glasklare Flüsse, in denen sich die Fische tummeln. Wasserfälle prasseln die Berge hinab und und im weichen Bett der Bäche sind ab und zu Spuren der umherwildernden Pumas zu sehen. So weit das Auge reicht ist alles grün, oder trägt orange-braune Spuren des voranschreitenden Herbstes. Zwischen den imposanten Baumkronen erblickt man ab und zu mächtige, verschneite Gipfel, die glatt aus einem Paramount-Trailer stammen könnten. Hören tut man nur das Rascheln der Blätter in der kühlen Patagonien-Brise, das Zwitschern des Fio-Fio Vogels und das Schmatzen der Stiefel in der schlammigen Erde.

Pilze Chile Patagonien Into The WoodsEs duftet nach feuchtem Moos, modrigem Holz und natürlich dem unverwechselbaren Duft dampfender Kuhexkremente.Hier hat man alle Zeit der Welt, diese ganze Vielfalt aufzunehmen und zu genießen. Wo sonst Stimmen, Abgase, Beton und Zeitdruck die Wahrnehmung einschränken, stehen hier stille Bäume und endlose Weiden laden zum Gedanken ausschweifen und Gedichte schreiben ein.

Ich glaube es gibt nicht viele Orte auf dieser Welt die den „Into The Woods“-Spirit so sehr verkörpern wie das chilenische Patagonien und deshalb musste ich diese schönen Erfahrungen mit euch teilen. :)

Trends muss man teilen...